In Mülhofen stimmt die Stimmung auch ohne Prinz

Vor dem Jahrtausendwechsel waren Jecken nochmal "ganz denewer"

MÜLHOFEN. "Spieglein, Spieglein an der Wand, wo sind die Prinzen in diesem Land?" fragen die Mülhofener Karnevalisten in der diesjährigen Kampagne. Daß in prinzenloser Zeit doch eine erstklassige Sitzung zustande kommt, erlebten Hunderte begeisterter Jecken am Samstag abend in der ausverkauften Mehrzweckhalle.

Sitzungspräsident Rolf Trennheuser führte souverän und mit Herz durch ein buntes Programm der Sonderklasse. Als Einheizer zeigten sieben kleine Hexen einen furiosen Besenritt zum Disvo-Sound: In Mülhofen ist der aktive karnevalistische Nachwuchs für das nächste Jahrtausend definitiv gesichert. Nachdem der KG-Präsident als Protokoller die interessantesten welt-, kultur- und lokalpolitischen Ereignisse trefflich kommentiert hatte, klagten Stefan Brink und Dirk Weller ihr Leid als "Schwiegersöhne".

Getreu dem Motto "Wer keinen Prinzen hat, der lädt sich einen ein!" konnte der Elferrat anschließend das Engerser und das Sayner Prinzenpaar samt Hofstaat herzlich willkommen heißen. Und nach dem zackigen Tanz der Mülhofener Möhnengarde machte auch noch der Neuwieder Faschingsregent seine Aufwartung. Einen exzellenten Kontrapunkt zur offiziellen Ordentauscherei setzten danach "Männerrechtler" Rolf Kuppler: "Wer den Mann am Tag nicht ehrt, der ist ihn auch des nachts nicht wert!" und Ute Müller als Verteidigerin des weiblichen Geschlechts: "Was nützt der Frau ein Buch über Praktiken der Liebe, wenn der Mann das Werkzeug nicht hat!" Trotz gelentlichen Aufenthalts im Gefahrenbereich Gürtellinie geriet der Vortrag zu einem Highlight des Abends. Das nächste folgte sogleich: "Die fantastischen Neun" der Tanzgruppe Reichert - unter ihnen sieben extrem attraktive Damen - ließen zu "Vengaboys" und Ethno-Pop die Hüften kreisen und Männerherzen höherschlagen. Zugabe obligatorisch. "Wenn du sagen, Essen Lakritz macht spitz, wir sagen Essen Pizza macht spitz(a)er!" Weisheiten solcher Art verbreiteten Josef Kessler und Patric Stamm als Pizzeria-Kellner mit exzellentem italienischem Akzent.

Monika Brink und Eva Wollinger hingegen vertrauten auf altdeutsches Liedgut in ihrem Musik-Sketch "Auf dem Arbeitsamt". Daß nach der kurzen Pause die Stimmung nicht abebbte, dafür sorgte der "Bailando" - Showtanz der Möhnengarde. Nachdem sich Rolf Kuppler und Franz Dielentheis über den Ex-Bundeskanzler, ungewöhnliche Viagra-Anwendung und Hundenamen ausgelassen hatten, zeigten die Herren beim Marionetten-Tanz, was richtige Plateau-Schuhe sind. Das superbe Arrangement der Darbietung wurde zu Recht mit einer Rakete belohnt.

Knochentrocken berichtete "Die doof Nuß" Erich Günther, daß Bernd Wollinger Spinnen mit dem Spaten erschlägt und Schlangen mit Viagra füttert, Soleier Geschmacksache sind und in Mülhofen vor 100 Jahren schon schnurlos telefoniert wurde.

Wer jetzt dachte, weit nach Mitternacht sei die Luft 'raus, wurde überrascht: Als "Men in Black" wurden die "Hot Bananas" ihrem Namen voll gerecht. Dem megacoolen Einmarsch folgte ein ganz heißer Strip: Das "Sexy thing" blieb aber in der Schale.
Thomas Herrmann