Frivole "20 Zentimeter" brachten den Saal zum Toben

Von wegen "Ganz denewer": KG Mülhofen zielte mitten ins humoristische Schwarze - Tänze eine choreografische Meisterleistung

MÜLHOFEN. Groß - Bendorf aufgepasst! Mülhofen ist auf dem besten Weg, in den Reihen der karnevalistischen Streitmächte der Rheinstadt künftig die Vorreiterrolle zu übernehmen. Eine Vormachtstellung, die der Stadtteil am Samstagabend eindrucksvoll mit einer Kappensitzung unterstrich, von der sich manch andere Narrenzunft eine Scheibe abschneiden sollte. Denn auch, wenn die Gecken in Mülhofen dem Namen ihrer KG nach "Ganz denewer" sind, ihre Sitzung traf genau ins humoristische Schwarze.

Ein Protokollarius, der mit spitzer und gekonnter Feder nicht nur das politische Geschehen auf Bundesebene nachbetete, sondern sich eifrig und mit viel Witz auch dem Lokalkolorit widmete, Tanzformationen, die mit eindrucksvoller Choreografie und ihren farbenprächtigen Kostümen der reinste Augenschmaus waren, und Büttenredner, die es mit urkomischer Wortakrobatik verstanden, auch bei Scherzen knapp unterhalb der Gürtellinie nicht ordinär zu werden: Mit einer solchen Mischung kam beim fünfstündigen Sitzungsmarathon nicht eine Sekunde Langweile auf.

Ganz im Gegenteil: Je später der Abend, desto besser wurde eigentlich die Stimmung. Aber schließlich hatte sich die KG Mülhofen die allergrößten Brüller auch für die etwas späteren Stunden aufgehoben. Allen voran die fernsehreife Opern - Play - back - Vorstellung von Sopranistin Rolf Kuppler und Tenor Franz Diehlentheis. In barockem Outfit und bewaffnet mit einem "ausgefahrenen" Zollstock zur bildlichen Untermalung trällerten die beiden den Möhre - Hit "20 Zentimeter". Wunderbar frivol und ein Auftritt, der zu Recht mit einer donnernden Applaus - Rakete bedacht wurde.

Doch auch, wenn das musikalische Wortgefecht über vorgegaukelte Mannesgrößen wohl Höhepunkt der Sitzung war: Zeit, die Lachmuskeln und das Zwerchfell zu schonen, blieb weder vor noch nach dem Auftritt des Duetts. Ganz besonders strapaziert wurde beides, als Büttenass Erich Günther in seine bewährte Rolle der "Doof Nuss" schlüpfte. Die berichtete unter anderem von ihrem letzten Angelausflug am Mülhofener Rheinufer.

Während Erich Günther damit vor dem ebenso hochkarätigen Indianer - Tanz der "Fantastischen 10" für ein gelungenes Vor - Finale der Sitzung sorgte, hatte Rolf Trennheuser ganz am Anfang entscheidend dazu beigetragen, das Eis brechen zu lassen. "Von Bendorf sei korz erzällt, die haben ihren ältesten Messdiener zum Bürgermeister gewählt", frotzelte der Protokoller über den neu gewählten Stadtchef - und hatte damit die Lacher direkt auf seiner Seite.

Ebenso wie später Eva Wollinger, die als "Julche" kein gutes Haar an der Männerwelt ließ, jedoch zum Schluss zumindest halbwegs versöhnlich meinte: "Männer sind wie Zähne: Erst bekommt man "se schlecht. Sind "se da, bereiten sie Kummer und Schmerzen. Aber wenn "se dann weg sind, hinterlassen sie doch eine Lücke."

Der Konter folgte allerdings umgehend. "Männer bleibt standhaft", forderte in der Folge Dirk Weller, der eine ganz einfache Erklärung dafür hatte, warum die Frau in allen Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte unterdrückt wurde: "Weil es sich bewährt hat."

Noch viele Zeilen mehr, Zitate etlicher weiterer Kalauer mehr ließen sich an dieser Stelle noch nennen. Vom Auftritt der beiden Krankenschwestern Nicole Fischer und Bettina Reichert zum Beispiel. Vom Geplaudere der "Weiber unter sich", mit dem Sandra Dapper und Ute Müller den Saal zum Toben brachten. Und auch von Kurgast Stefan Wirges, bei dem sich das närrische Auditorium schon beim Anblick von Stützstrümpfen und orangefarbenem Bademantel beinah vor Lachen weg schrie.

Weitere fantastische Tänze wären zu nennen. Die Crazy Girls, die als Piraten begeisterten, Björn Kuppler und Kathrin Voges, die für ihren Paartanz umjubelt wurden. Doch für viel mehr bleibt an dieser Stelle kein Platz. Für einen Satz jedoch ist noch Raum: Mülhofener - ihr wart einfach alle spitze!   

(agh)