Wagenbauer haben Hochbetrieb

Seit 25 Jahren hat die Karnevalsgesellschaft Mülhofen feste Abnehmer für ihre Prunkwagen
Seit Anfang Januar fliegen die Späne in der Wagenbauerhalle der KG Mülhofen an der Hüttenstraße. Neun Festwagen entstehen unter den Händen der Hobbywerker. Bei soviel Aufwand ist klar, daß die Wagen wenigstens zweimal in der Saison ausfahren werden.

Von Otto Schwenkmezger

MÜLHOFEN. "Hier weiß jeder, was die Stunde geschlagen hat", lacht Rolf Skozilas, als er aus der riesigen Uhr in fast drei Meter Höhe schaut. Mit seinen 15 Kameraden ist er seit Anfang Januar dabei, den sieben vereinseigenen Fahrzeugen farbenprächtige Aufbauten zu verpassen. Dieser sieben Meter lange Wagen mit der riesigen Uhr war eigentlich für den diesjährigen "Prinz von Müllowe" gedacht. Doch trotz stilgerechtem Vertrag auf einem Bierdeckel mußte der Anwärter auf den Narrenthron aus familiären Gründen verzichten. Jetzt bleibt der Ortsteil ohne Herrscher. So wird am Fastnachtsonntag der Elferrat der KG "Ganz denewer" mit dem Prunkwagen fahren.

Wie für diesen Komiteewagen hat Hermann Knaus auch die Ideen für die übrigen Festwagen zu Papier gebracht. In diesem Jahr begeht Knaus ein Jubiläum: Seit 25 Jahren liefert er die Entwürfe. Daß der 76jährige immer noch viel Fantasie besitzt, ist an der bunten Alpenwiese und der Märchenburg auf Rädern unschwer zu erkennen. Bei der Umsetzung der Ideen haben sich im Laufe der Jahre wahre Spezialisten herausgebildet, wie beispielsweise Gerhard Geisler, der mit ruhiger Hand Buchstaben und Ziffern aus Styropor aussägt, oder Wilfried Skozilas, der fantasievolle Tiere aus Schaumstoff entstehen läßt.

Ohne die 1989 durch Vereinsmitglieder gebaute Halle wäre der Festzug in Mülhofen mit Sicherheit nur halb so schön. Die Karnevalsgesellschaft gewährt sogar uneigennützig bauwilligen Gruppen Unterschlupf in der durch zwei ölbeheizte Gebläse erwärmten Halle. Derzeit bauen die Kirmesgesellschaft und die Familie der 95er Exprinzessin ebenfalls an ihren Fahrzeugen.

Das gemeinsame Werkeln mit dem Ziel, Menschen Freude zu bereiten, schmiedet Gruppen und Nachbarschaften enger zusammen. So ist beispielsweise ein eigener "Fahrbarer Abendtisch" von Bürgern eingerichtet, um die ehrenamtlichen Helfer nicht hungern und dürsten zu lassen. Petra Skozilas muß schon koordinieren, damit die Spenden der Hausfrauen gleichmäßig über sechs Wochen verteilt werden.

Auch der Präsident der Karnevalsgesellschaft "Ganz denewer, Bernd Wollinger, schaut abends nach dem Rechten. Nicht etwa, weil er Angst hat, die Fahrzeuge seien nicht termingerecht fertig. Nein, er hat einen Gesprächstermin mit befreundeten Karnevalisten. "Seit 25 Jahren haben wir feste Abnehmer für unsere Festwagen", gibt er unumwunden zu. Die Kosten für den Wagenbau wären für seinen Verein nicht zu verkraften, ohne die Weitervermietung am Rosenmontag. Als Beispiel führt er an: "Wir verarbeiten pro Saison so etwa 300 Rollen farbiges Staniol zu acht Mark das Stück."