Rhein-Zeitung : 22.01.1996

Bürgermeister Stuhlträger schlichtete wochenlange Karnevals-Querelen in Krisensitzung

Wieviel Prinzen verträgt ein Romo-Zug?

Nach Ärger um "Zugverbot" lautet die Devise der Bendorfer Vereine und des FBK "Gemeinsamkeit"

VON MIRCO MOSKOPP

BENDORF. Also doch: Der Bendorfer Rosenmontagszug wird unter der Beteiligung aller drei Prinzenpaare stattfinden. Bürgermeister Hajo Stuhlträger beendete mit einem Gespräch im Rathaus das wochenlange Karnevals-Hickhack.

"Gemeinsamkeit ist die Devise", unterstrichen die Prinzenpaare, die närrischen Korporationen und der Festausschuß Bendorfer Karneval (FBK) in einem Brief an die Rhein-Zeitung. In Gemeinsamkeit wolle man dafür sorgen, daß der diesjährige Rosenmontagszug mit gleich drei Prinzenpaaren ein besonderer Höhepunkt im Verlauf der Kampagne 1996 werde und weit und breit vermittele, daß in Bendorf närrischer Frohsinn und Heiterkeit - wie eh und je - ihren Platz hätten.

Zunächst begann jedoch die Karnevalssession für die Prinzenpaare aus Sayn und Mülhofen ohne Frohsinn und Heiterkeit: In einem Schreiben teilte der FBK den Vereinen mit, daß nach einem Beschluß aus dem Jahre 1981, Prinzen aus Stadtteilen oder Nachbargemeinden von Bendorf nicht als Prinz am Rosenmontagszug teilnehmen dürften, wenn Bendorf ein eigenes Prinzenpaar habe. Man müsse sich an diesen Beschluß halten. Dies sei auch der Wunsch des Bendorfer Prinzenpaares.


Enttäuschung

"Ich habe mich sehr schwer damit getan, unserem Prinzenpaar das beizubringen", erzählte Rolf Barthel, Präsident der Sayner Karnevalsgesellschaft, "das war für die beiden schon ein Schock." Bernd Wollinger, der Präsident der Mülhofener Karnevalsgesellschaft "Ganz denewer" verstand die Paragraphenreiterei nicht: "Unser Prinz Henry beteiligte sich doch 1993 auch gemeinsam mit dem Bendorfer Prinz Franz-Gerd am Rosenmontagszug."
Auch Prinz Peter IV. aus Mülhofen bedauerte die Entscheidung des FBK: "Jahrelang waren doch die Bendorfer froh, daß wenigstens die Mülhofener Tollitäten im Zug mitgegangen sind, wenn sie keinen eigenen hatten." Auf dem Neujahrsempfang machte der Mülhofener Narrenherrscher seiner Enttäuschung Luft: "Wir wären schon gerne mitgegangen", seufzte er unter dem Jubel einiger Zuschauer. "Mir steht doch eine Entscheidung darüber gar nicht zu, ob noch andere Prinzenpaare mitgehen oder nicht", konterte die Bendorfer Tollität Prinz Claus I. .

Karneval eiskalt - in der Halle am Yzeurer Platz sank das Stimmungsbarometer auf den Nullpunkt. Bürgermeister Hajo Stuhlträger räumte schließlich enttäuscht ein, er hätte schon gerne drei Prinzenpaare gemeinsam auf der Bühne gesehen.


Der Kompromiß

Doch die Sayner und Mülhofener Tollitäten trafen sich nach ihrer Aufwartung beim Neujahrsempfang zu Ehren des Bürgermeisters beim Prinzenempfang im Sayner Schloß. Karneval gehöre schließlich der Narretei, fanden sie, und sangen Arm in Arm den Fastnachts-Hit "Echte Fründe, ston zusamme . . ."

Damit sich am Rosenmontag ein ebenso prächtiger närrischer Lindwurm durch Bendorfs City schlängeln kann wie in den vergangenen Jahren - einige Sayner und Mülhofener Fußgruppen und Prunkwagen wollten aus Solidarität zu ihren Prinzen auf eine Teilnahme verzichten - lud Bürgermeister Stuhlträger die beteiligten Parteien zur Krisensitzung.

In anderen Städten wie zum Beispiel Koblenz dürfen zwar keine Prinzen aus den Stadtteilen mitgehen, aber wieso sollten wir das übernehmen", fragte sich Stuhlträger.

Der Kompromiß: Die Bendorfer Tollitäten Prinz Claus I. und Ihre Lieblichkeit Annika I. sind bei allen Umzügen in den Stadtteilen dabei und der Bendorfer Rosenmontagszug soll mit drei Prinzenpaaren zu einem einzigartigen Erlebnis in der Region werden. "Bendorf ist und bleibt schließlich eine der Hochburgen des Rheinischen Karnevals", hieß es in der gemeinsamen Erklärung.